Die maskierten Frauen Südirans
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Die Tradition des Tragens von Masken ist unter der Jugend der Insel Qeshm im Aussterben begriffen.Aber ihre Großmütter behalten die Tradition bei und tragen Masken, die einen großen Teil ihrer Gesichter verdecken. "Wir sind nicht mehr hübsch, also verstecken wir so unsere Falten." -
Im Dorf Peyposht haben die meisten Frauen ihre Masken gegen den Niqab getauscht. "Frauen kaufen sich Schleier, weil die billiger sind." In fünf Jahren wird es hier keine Masken, auch "Boreghehs" genannt, mehr geben. -
Ameneh ist eine der drei sunnitischen Schneiderinnen, die im Dorf Masken herstellen. Während ihr Ehemann auf See war und von Hafen zu Hafen fuhr – Muskat, Mukala, Mogadischu, Berbera, Sansibar, Lamu – lernte sie, "Boreghehs" zu nähen. -
Ihre Hände sind mit Indigo bedeckt. Die Ortsansässigen glauben, dass die blauen Pigmente in den Masken die Haut glätten und schützen. -
Dieser Ehemann hat eine sehr klare Haltung zur Maske: "Ich habe es lieber, wenn meine Frau eine Maske trägt. Es ist schöner ... und es ist das, was unsere Religion vorschreibt." Die Männer verbinden die Masken mit ihrer Religion, während sie für die Frauen ein Ausdruck der Mäßigung sind. -
Bräute tragen die "Boregheh", um damit die "Hejleh" genannte Hochzeitskammer zu betreten – einen Ort, der aufwändig mit Spiegeln, Girlanden, Christbaumkugeln, Plastikblumen, farbenprächtigen Kissen und Versen aus dem Koran dekoriert ist. Die frisch Verheirateten bleiben sieben Tage lang in diesem Raum – eine Gelegenheit, sich erstmals gegenseitig zu entdecken. Noch immer sind arrangierte Ehen üblich. -
Eine maskierte Frau klettert während einer Hochzeit in Kushkenar auf das Dach des Hauses ihres Bräutigams und wirft den Kindern Süßigkeiten herunter. -
Da die Masken genau nach Maß hergestellt werden, halten die Schneiderinnen die Maße ihrer Stammkunden immer bereit. Damit die Sicht nicht eingeschränkt ist, müssen die zwei Löcher perfekt vor die Augen passen. Stirn und Nase sind verhüllt, und durch einen zusätzlichen Schleier wird oft auch noch der Mund verdeckt. -
Jahrhundertelang wurden die Masken in Handarbeit bestickt, aber heute wird diese Arbeit mit Hilfe von Nähmaschinen erledigt. -
Obwohl sie mit den Masken so aussehen, als kämen sie aus einem vergangenen Jahrhundert, kennen sich die Bandaris gut mit Instagram und Viber aus, die im Iran nicht zensiert sind. -
In der Region Bandar Abbas werden schwarze Masken von neunjährigen Mädchen getragen. Die orangefarbene Maske ist verlobten Frauen vorbehalten, die roten Masken werden von verheirateten Frauen getragen. Der Preis hängt ganz von der Farbe ab: Orange ist teuer, schwarz dagegen billig. -
Auf dem Panjshambe-Basar in Minab kann man maskierte Frauen antreffen, die bunte Büstenhalter verkaufen – ganz im Kontrast zu ihrer eigenen bescheidenen Kleidung. -
"Fotografieren Sie mich nicht, ich möchte nicht berühmt werden!", sagt diese Frau, die einen hellroten "Boregheh" trägt. In der Region ist es Sitte, vor dem Fotografieren um Erlaubnis zu fragen – unabhängig davon, ob das Motiv ein Mann oder eine Frau ist. Unerlaubtes Fotografieren wird als Beleidigung betrachtet. -
Zinat, die ursprünglich von der Insel Qeshm stammt, hat auf dem Festland Medizin studiert. Als sie nach Hause zurückkehrte, merkte sie, dass sich ihre Sichtweise des Lebens einer Frau geändert hatte. Sie entschied sich, keine Maske zu tragen. Daraufhin wurde sie für zehn Jahre aus der Gemeinschaft verbannt. -
Während einer Kunst-Performance bindet Zinat einem Mädchen eine eiserne Maske um. Dies soll die Unterdrückung veranschaulichen, unter der sie als Jugendliche litt, als sie gezwungen wurde, in ihrem Dorf die Maske zu tragen. Zinat weiß jedoch, dass sich die Dinge nicht so schnell ändern: In einer Gesellschaft, in der die Tradition und das Schweigen nach wie vor tief verwurzelt sind, werden immer noch viele uneheliche Kinder bei der Geburt getötet. Zinat kämpft nun für ein Ende dieser barbarischen Sitte.
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