Ethno-Comedy: Lachen gegen Vorurteile
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Kaya Yanar: "Was guckst Du?": Der Deutschtürke ist der erste Comedian mit ausländischen Wurzeln, der mit seiner TV-Show "Was guckst Du?" den massenmedialen Durchbruch schaffte. Bis heute parodiert Yanar gewitzt und mit Charme Ausländer jeglicher Couleur. Kürzlich schrieb er bei Facebook: "Seit 15 Jahren muss ich immer zu schwierigen Themen Stellung beziehen. Integration, Religion, Kulturk(r)ampf. Jetzt reicht es auch mal." -
Bülent Ceylan der Frauenschwarm: Neben Kaya Yanar hat es auch Bülent Ceylan ganz oben in den Comedy-Olymp geschafft. Der Mannheimer mit deutscher Mutter und türkischem Vater spricht neben Deutsch und Hessisch auch Englisch und Russisch. Nur Türkisch kann er nicht. Auch Bülent will Klischees aufweichen. "Die Mischung macht's. Ich kann Hitler imitieren, ohne dass mir das jemand übel nimmt. Ich kann aber auch Kanake sagen." -
Senay Duzcu: "Ich bleib dann mal hier": Sie war die erste türkischstämmige Frau, die sich als Stand Up-Comedian auf die Bühne traute. Oft genug warf man ihr vor, das Ehrgefühl der Familie zu verletzten, doch die gelernte Architektin ließ sich nicht unterkriegen. "Zum Glück braucht Lachen keine Dolmetscher", sagt Senay Duzcu und ergänzt in Hinblick auf den Anschlag in Paris: "Ich träume von einem Land, wo immer Frieden herrscht." -
Abdelkarim: "Zwischen Ghetto und Germanen": Der Deutschmarokkaner aus der "Bielefelder Bronx" spielt geschickt mit den Ängsten der Urdeutschen, in jedem bärtigen Araber schlummere ein potenzieller Terrorist. Nach dem Anschlag in Paris postete Abdelkarim, er wolle wegen seiner Herkunft nicht ständig nach seiner Haltung dazu gefragt werden. Und weiter: Nicht jeder Muslim, der Mohammed-Karikaturen nicht in Ordnung finde, sei böse. -
Murat Topal: "Getürkte Fälle": Der Berliner wuchs als Kind einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters auf. Bevor er Komödiant wurde, arbeitete er als Polizist; seine Erfahrungen hat er im Programm "Ein Cop packt aus" verarbeitet – wenn jemand zum Beispiel nicht vom einem "Türken" verhaftet werden will. Angesichts des Anschlags hat Murat Topal Sorge, dass sich die Stimmung gegen Migranten weiter verschärfen wird. -
Aydin Isik: "Zu Gast bei Freunden": Der Schauspieler und Regisseur schreibt über sich selbst: "Ein geborenes Migrantenkind, das integriert, was das Zeug hält." In seinem aktuellen Programm spielt er unter anderem den türkischen Bundeskanzler Baran O.Bala. "Je suis Charlie" postete er jetzt auf Facebook und warnt: "Man darf nicht alle Deutschen für den NSU-Anschlag verantwortlich machen, ebenso wenig alle Muslime für Paris." -
Meltem Kaptan alias "türkische Meeresbrise": Sie war nie Barbie, sondern immer Petra mit türkischen Bäckchen, ein "Kumpeltürk" mit Liebe zum Bauchtanz, kann man auf Kaptans Homepage nachlesen. Die klassischen Ausländerklischees will sie auf Dauer aber nicht bedienen, schließlich sei sie auch ein kölsches Mädchen und möchte über alle Themen reden, sagt sie. Als friedliebende Muslima ist sie von den Gräueltaten in Paris erschüttert. -
Enissa Amani: "Teheran ist kein Heißgetränk": Amani betont, sie komme aus Persien, das klinge nach weichem Teppich - und eben nicht aus dem Iran, da denke man ja direkt an Sprengstoffanschläge. Die Newcomerin kokettiert gern mit ihrem "Tussi"-Image; Position zu Charlie Hebdo hat sie trotzdem bezogen: Auf Facebook zitiert sie Voltaire: "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." -
Fatih Cevikkollu: "Einig Fatihland": "Für Fatih ist Integration Kabarettistensache", urteilte schon 2006 die Jury beim renommierten Prix Pantheon. Sogar einen "Moslem-TÜV Deutschland" hat er herausgegeben – mit Wanderwegen durch No Go-Areas und einem Picknickratgeber für die Parallelgesellschaft. In Sachen "Hebdo" postet er eine Karikatur und zeigt sich stolz auf den Anti-Pegida Protest in Köln:" Bei uns zu Hause macht man das so." -
Django Asül - die Stimme aus Bayern: Django Asül ist ein türkischer Bayer oder ein bayerischer Türke und nimmt sich die Politik des Freistaats genauso gern vor wie den Zusammenprall der Kulturen. In "Djangos Reise – Asül bei den Türken" gab er schon vor Jahren einen satirischen Einblick in die Lebenswelten Berliner und Istanbuler Türken. Der Anschlag auf "Charlie Hebdo" hat auch ihn erschüttert. -
Serdar Somuncus bitterböser Wortwitz: Seine Programme haben Namen wie "Der Hassprediger liest Bild" oder "H2 Universe - Die Machtergreifung". Sein Motto: Er beleidigt flächendeckend, denn jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung. Auf Facebook hat er das Video "Glaube, Gier und Größenwahn" gepostet, in dem er mit sämtlichen Religionen und all jenen abrechnet, die im Namen Gottes morden.
https://qantara.de.//node/34774
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