Rhythmen, Mythen, Muskelspiele – Persiens "Krafthäuser"
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Auf diesem Bild sind Kraftsportler aus der Kadjaren-Zeit zu sehen. Der Fotograf dieses Bildes, Antoin Sevruguin, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Teheran geboren wurde, stammte aus einer Diplomaten-Familie der russischen Botschaft und gehörte zu den wichtigsten Gesellschaftsfotografen Irans in der Kadjaren-Ära. -
Kraftsportler aus der Kadjaren-Zeit: Der Krafthaus-Sport hat seinen Ursprung in der altiranischen Tradition und diente zur Ausbildung von Kriegern und Vorbereitung auf Kampfsituationen. -
Das Ritual der iranischen Kampfkunst und der Krafthaus-Sport wurden im Jahre 1389 iranischer Zeitrechnung (d.h. ungefähr 2010) in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Der Wettkampf wird oft auch musikalisch begleitet – und zwar durch den sogenannten Morsched, der die Sportler durch Gesang und mit der iranischen Tombak sowie einer Glocke rhythmisch begleitet. Auch trägt der Morsched religiöse Verse und mystische Geschichten vor. -
Der sogenannte Varzesh-e bastani ("der historische Sport") bzw. der Krafthaus-Sport wurde vor allem im 19. Jahrhundert, während der Herrschaftszeit Nasser ad-Din-Schahs, wiederbelebt und populär gemacht. -
Die Brockhaus-Enzyklopädie stellt mit Bezug auf Forschungen der Deutschen Sporthochschule Köln in einem speziellen Sportbuch den iranischen Krafthaus-Sport als den ältesten Body-Building-Sport der Welt vor. -
Die iranische Sportart des Zurkhanehs ist außerdem auch in Aserbaidschan, im Irak, in der Türkei, in Afghanistan, in Indien ("Indian Club") und einigen anderen Ländern verbreitet. -
Die auf dem Bild zu sehenden Steine dienen als symbolische Darstellung der Schilde von Kämpfern. -
Nach der Islamischen Revolution im Jahre 1979 und der Machtergreifung Khomeinis wurde die Krafthaus-Sportart im Iran zunächst als unpassend erklärt. Heutzutage versteht man sie jedoch auch als Inbegriff des iranischen Nationalstolzes. -
Das sogenannte Mil-Bazi ("Keulenspiel") gehört zu den interessantesten Bewegungen des Krafthaus-Sports. Hierbei werfen die Sportler Keulen auf unterschiedliche Art in die Luft und fangen sie wieder auf. Das Gewicht jedes Keulenpaars kann bis zu 40 Kilogramm betragen.
https://qantara.de.//node/27011
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