Zâr-Rituale in Ägypten
-
Die Beschwörung der Geister im Verlauf eines Zâr-Rituale folgt einer umfangreichen Dramaturgie, deren theatralischen Höhepunkt Tieropfer sind. Die Ursprünge dieses Rituals liegen im subsaharischen Raum. Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Zâr-Kult von Äthiopien über Sudan nach Ägypten. Vermutlich geht dieser Art der Geisterbeschwörung auf das Voodoo-Ritual der Buschmänner zurück, und hat sich durch den Sklavenhandel bis in den Süden des Irak, in den Iran und bis nach Marokko verbreitet. Foto: Ikhlas Abbis -
Mit der Beweihräucherung der Patienten durch die Priesterin, auch „Schaikha“ genannt, beginnt jede Zâr-Zeremonie. Die Weihrauchzeremonie dient zur rituellen Reinigung den Teilnehmern. Foto: Ikhlas Abbis -
Die Musik des Zâr ist vorwiegend religiösen Inhalts, teilweise handelt es sich bei dieser Musik jedoch auch um einfache Liebeslieder, die den Geistern vorgesungen werden. Diese Lieder basieren auf der in traditionellen ägyptischen "baladi"-Musik. Foto: Ikhlas Abbis -
Nasr hat sechs weitere Musiker um sich geschart: Amm Osman, der auch als religiöser Sänger ("Munshid") auftritt, Ragab der Vortänzer, der zudem die Zimbeln spielt, sowie zwei Flötisten und Percussionisten. Die beiden Rohrflöten ("Neys") bestimmen die Melodie und den Rhythmus. Foto: Ikhlas Abbis -
Die Leiterin des Zâr-Rituals wird auch "Kudya" genannt. Sie sollte stets dunkle Hautfarbe haben – ein Anhaltspunkt dafür, dass der Brauch aus dem Sudan stammt. Die Würde einer "Kudya" ist erblich. Sie spielt gewissermaßen die Vermittlerin zwischen den Geistern und der besessenen Person. Foto: Ikhlas Abbis -
Die Frauen werden von der "Schaikha" durch die Musik mit dem Namen der ihnen zugeteilten Geister angesprochen. Jede Besessene kann von verschiedenen Geistern in Besitz genommen werden. Der Geist von Um Hassan wird durch seine Musik angeregt und zum Tanz animiert. Foto: Ikhlas Abbis -
Amm Ouf, Leiter der Musikgruppe "Tamboura" (benannt nach dem gleichnamigen Musikinstrument), hat sein gesamtes Leben der Zâr-Zeremonie gewidmet. Der sudanesische Musiker wird von zwei Frauen mit Schlaginstrumenten begleitet. Foto: Ikhlas Abbis -
Die blutbefleckte Schüssel mit den Amuletten und Schmuckstücken werden nach der Opfergabe neben den sogenannten "Kursi" (den Opfergabe-Tisch) auf den Boden gestellt. Dort wird die Schüssel bis zum nächsten Tag aufbewahrt, niemand darf sie berühren. Foto: Ikhlas Abbis -
Die ganze Palette der Zâr-Geister wird mit und für die Besessene (die Braut) durchgespielt, wobei viele neue Geister in Erscheinung treten: Rifa'i, Gilani, Disuqi und am Ende Chawaga und Yawra Bey. Foto: Ikhlas Abbis -
Die Ethnologin Gabriele Böhringer-Thärigen schreibt in ihrem Buch "Besessene Frauen. Der zar- Kult von Omdurman": "Die Rollen sind in der Zâr-Zeremonie verteilt. Der Raum ist wie die Bühne eines Theaters. Jeder ist Choreograf und gleichzeitig Zuschauer. Alle Auftritte sind und jede Bewegung ist nach einer systematischen Musik und Tanz Akt bestimmt". Foto: Ikhlas Abbis -
Jedes Lied hat eine andere Intonation, manche Lieder gehen auch lückenlos ineinander über. Mehrfach fällt die Besessene dabei in einen Trance-Zustand und wird jedes Mal von Helferinnen aufgefangen und zu ihrem Platz zurückgeleitet. Foto: Ikhlas Abbis -
"Die Musiker sind professionelle Agitatoren und die Besessenen quasi professionelle Tänzer und Schauspieler. Alles läuft nach Regeln und Rhythmus. Die Schaikha delegiert und bestimmt das Geschehen". (zit. n. Gabriele Böhringer-Thärigen). Foto: Ikhlas Abbis -
Das Zâr-Ritual klingt mit einem geselligen Zusammensein aus. Die Musiker legen ihre Instrumente aus der Hand, die Teilnehmerinnen sind erschöpft. Die Zâr-Braut bekommt Henna, die im volkstümlichen Brauchtum vor der Hochzeitsnacht verwendet wird. Die Scheikha sitzt noch lange mit der geheilten Patientin zusammen und erklärt ihr, was nach dem Abschluss des Rituals zu beachten ist. Foto: Ikhlas Abbis
https://qantara.de.//node/18665
Link
Alle Bildergalerien